Archive for Juni, 2007

Vom Mittelalter eingeholt

Montag, Juni 25th, 2007

„Wir hatten am Montag noch einmal Team-Sitzung unserer Pfarrbücherei. Leider hat sich das Team + Pfarrer nun doch geschlossen gegen eine Lesung mit Herrn Dübell ausgesprochen. Grund dafür ist der Titel des neuen Buches von Herrn Dübell. Auch wenn die Lesung nur aus dem „Sohn des Tuchhändlers“ bzw. aus der „Braut des Florentiners“ stattfindet, wird doch auf dem Büchertisch und in der Presse die „Teufelsbibel“ in Zusammenhang mit der Pfarrbücherei (…) erwähnt. Dies möchten wir nicht verantworten.“

Dies ist ein Zitat aus einem e-Mail, das mein Verlag von einem Veranstalter erhalten hat, der mich eigentlich fest für November dieses Jahres gebucht hat. Bei Lübbe war man sprachlos; noch nie ist einer von deren Autoren aus kirchenpietätischen Gründen von einer Lesung wieder ausgeladen worden.

Besonders peinlich (für die Veranstalter) ist dabei die Tatsache, dass man offensichtlich nicht den Hauch einer Ahnung hat, was die Teufelsbibel eigentlich ist (eines der interessantesten Artefakte mittelalterlicher Kirchengeschichte), dass dieser Codex seinen Namen schon seit Jahrhunderten trägt und dass es sich dabei um das Nationalheiligtum von mindestens zwei europäischen Ländern handelt. Man hat den Titel wahrgenommen und den Teufel darin und hat eine Art geistigen Kurzschluss bekommen.

Schade. Und mehr als peinlich. Wenn ich bei Lesungen und Vorträgen gefragt werde, warum ich mich für das Mittelalter interessiere, antworte ich, dass unsere europäische Kultur, unser Nationalverständnis und nicht zuletzt unser christlicher Glaube vollkommen auf den geistigen und kulturellen Erkenntnissen des Mittelalters beruhen. Ich meine das vollkommen ernst. Nun hat das Mittelalter, das demzufolge immer noch um uns ist, mich eingeholt.

Kreuzritter in England

Freitag, Juni 22nd, 2007

Auf dem Flug nach Manchester habe ich genügend Zeit zum Lesen, nicht zuletzt wegen einer Überfüllung des Flugraums, die uns eine zusätzliche Stunde auf der Startbahn in München festhält. Meine Lektüre ist DIE GESCHICHTE DER KREUZZÜGE von Steven Runciman, ein umfangreicher, hervorragend geschriebener Wälzer aus den 50er Jahren, der durch sein Gewicht allein schon für Übergepäck sorgt. Er inspiriert mich zu einem neuen Romanprojekt, zu dem Szenen, Plotwendungen und Charaktere seitdem fleißig durch mein Bewußtsein schweben.

Die Umgebung meines Wirkungsortes hier in England ist zwar nicht sonderlich mittelalterlich (ein riesiges neues Gewerbezentrum mit tatsächlich sehr schön angelegten Grün- und Wasseranlagen); dafür nehmen meine Kollegen mich zum Pasta-Essen mit, und ich habe das seltsame Vergnügen, mein Abendessen in England auf Italienisch zu bestellen. Natürlich tue ich das nur, um den Neid der englischen Kollegen hervorzurufen …

Wie es aussieht, habe ich keine größeren Fettnäpfchen getroffen während meiner beiden Tage hier. Michael, ein Kollege aus Irland, hat versprochen, mir einen „nudge“ zu geben, wenn ich mich versehentlich unenglisch benehme. Bis jetzt konnte ich die freundlichen Rippenstöße noch vermeiden.

Und in meinem Unterbewußtsein melden sich hartnäckig die Herren Godefroy de Bouillon, Raymond de Toulouse und Bohemund von Sizilien, weil sie in meinem neu entdeckten Romanprojekt eine Rolle spielen wollen.

Cheshire

Mittwoch, Juni 20th, 2007

Habe ich schon erzählt, dass es uns in Kärnten eingeschneit hat? Der Urlaub auf 1.800 m Höhe, den ich ohne Laptop bestritten habe? Ich habe beides überlebt, sowohl das Eingeschneitwerden als auch die Woche ohne Arbeit, und während die überraschenden 30 cm Neuschnee im frühen Morgengrauen nicht ganz so erholsam waren, so war es der Urlaub im Ganzen doch!

Und schon steht eine neue Reise bevor – nach England, ins Cheshire, das ich bislang nur mit einer grinsenden Katze aus einem ganz berühmten Märchen in Verbindung gebracht habe, das aber – soviel habe ich bislang gelernt – auch Heimat für die Beatles, für eine ganze Reihe wunderschöner Gärten und für eine herrliche Landschaft ist. Die beiden letztgenannten Superlative werde ich hoffentlich kennenlernen, bei den Beatles habe ich so meine Zweifel.

Morgen fliege ich ab. Aus 32,5 im Schatten auf der Terasse heute abend um 20.00 Uhr gemessenen Grad Celsius ins kühle Albion. Ich kann nicht sagen, dass ich restlos traurig wäre, für ein paar Tage der schwülen Hitze zu entkommen.

See you! 🙂