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Fortsetzung zu „Vom Mittelalter eingeholt“: The Hell Is In Down Under

Dienstag, Juli 10th, 2007

Da hatte ich gedacht, man hätte mir mit meinem Auftrittsverbot in Langenbach einen üblen katholischen Scherz gespielt – und heute lese ich in der Zeitung, dass ich noch recht glimpflich davongekommen bin. Im australischen Melbourne hat man einem fünfjährigen Jungen die Aufnahme an einer katholischen Schule verweigert, weil sein Familienname „Hell“ lautet. Übersetzt lautet das „Hölle“, und wir alle wissen ja, dass dieser Ort erst im Mittelalter von der Kirche erfunden worden ist. Die Schulleitung jedenfalls machte der Familie den Vorschlag, den Kleinen unter dem Mädchennamen der Mutter aufzunehmen; ob man auch geraten hat, dass Mama und Papa sich deswegen sicherheitshalber scheiden lassen sollten, war dem Artikel nicht zu entnehmen.

Bei der Lektüre erinnerte ich mich an meine eigene Schulzeit, genauer gesagt an die dritte Klasse. Mein damaliger Lehrer – offensichtlich ein pädagogisches Sondertalent – verwendete eine Schulstunde darauf, uns seine beeindruckenden Kenntnisse auf dem Gebiet der Onomastik zu beweisen. Bevor Sie glauben, dass das was Unanständiges ist: Onomastik ist die Wissenschaft der Namensforschung. Denken Sie sich nix, ich habe das auch erst nachschlagen müssen …

Jedenfalls machte der Lehrer uns mit seinen Auslegungen unserer Nachnamen vertraut. Einer meiner Schulkameraden war der Meinung des Pädagogen nach namenstechnisch vom Walfisch abzuleiten (der Wal ist ein Säugetier und kein Fisch; Anm.d.V.), da sein Name eine ganz entfernte phonetische Ähnlichkeit mit diesem von der Natur nicht vorgesehenen Tier besaß; das nur, um Ihnen ein Eindruck von der onomastischen Qualität dieser Schulstunde zu geben. Mein eigener Name war natürlich ein gefundenes Fressen für den Namensforscher: er stellte fest, dass er ganz klar vom niederdeutschen „Düvel“ komme, was auf Hochdeutsch „Teufel“ bedeute, und dass meine Urahnen deshalb vermutlich auch aus dem norddeutschen Raum vertrieben worden und bis nach Bayern geflohen seien, wo man seinerzeit mit dem Idiom der Nordlichter noch nicht so vertraut war und nicht merkte, dass eigentlich der Teufel und seine Großmutter eingewandert waren. Während mein Schulkamerad Walfisch im Laufe der Zeit über seinen onomastischen Hintergrund hinwegkam und etwas Vernünftiges aus sich gemacht hat, habe ich das Trauma der nahen Verwandtschaft zu Herrn Luzifer nie abschütteln können und bin Schriftsteller geworden.

Und das ist vermutlich der wahre Grund, warum man mich in Langenbach nicht haben wollte.

Ein Glücksumstand ist weiterhin, dass man auch in Australien des Niederdeutschen nur mangelhaft mächtig ist, sonst hätte ich dort vor ein paar Jahren gar nicht Urlaub machen können. Teufel auch!

Der kleine Max Hell durfte übrigens, nachdem die Medien sich seines Falls annahmen, unter seinem echten Familiennamen die Schule besuchen.