Archive for August, 2007

Der Rinderflüsterer

Dienstag, August 14th, 2007

Morgen in aller Frühe geht’s los in den Jahresurlaub. Unser Ziel: Agriturismo Negrin, ein 300 Jahre alter Bio-Bauernhof im südlichen Piemont. Vor drei Jahren waren wir zum ersten Mal dort, als mich die Recherchen für ein im Augenblick auf Eis gelegtes Romanprojekt u.a. nach Turin führten und ich das Angenehme mit dem Nützlichen, sprich die Recherche mit einem Familienurlaub verbinden wollte (Fragen, welches davon das Angenehme und welches das Nützliche sei, sind ungehörig und werden grundsätzlich nicht beantwortet).

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Nun kehren wir zum dritten Mal nach Negrin und zu unseren dortigen Freunden Ursula und Carlo zurück. Wieder kann ich eine Recherchereise mit diesem Urlaub verbinden, auch wenn ich diesmal nach Genua muss und auch wenn mein Projekt mit dem Verlag bereits abgestimmt ist. Ansonsten bringt mich diese Ähnlichkeit aber dazu, über unseren ersten Aufenthalt auf Ursulas und Carlos schönem Bauernhof nachzudenken. Ich war nämlich gezwungen, als Geburtshelfer einzuspringen und ein Kälbchen auf die Welt zu bringen – ich so gut wie allein!! ohne Tierarzt (den konnte mangels genauerer Adressdaten keiner rufen)!! ohne Ursula (die war zum Einkaufen gefahren)!! ohne Carlo (der war Käse ausliefern)!! nur mit Carlos über 90jähriger Mutter, deren piemontesischen Dialekt ich nicht einmal verstanden hätte, wenn es um mein Leben gegangen wäre!! Aber die signora und ich haben es geschafft. Sie machte die Knoten, ich zog am Strick, und irgendwann hatten wir das Kälbchen heraußen und am Leben. Meine Klamotten waren ruiniert, aber ich war glücklich und nicht wenig stolz auf mich.

Falls Sie wissen wollen, wie oft ich das schon vorher gemacht hatte: 0 mal. Aber ich hatte ein paar Tage zuvor Gelegenheit, dem Tierarzt bei einer anderen Geburtshilfe zuzugucken. So ist das halt bei Autoren – sie müssen was nur einmal gesehen haben, und schon können sie endlos drüber schreiben und, wenn Not am Mann ist, auch zupacken. Ja ja …

Außerdem ist hiermit der Beweis erbracht, dass Autoren doch Sachen zuwege bringen, die Hand und Fuß haben. Oder wenigstens Vorderlauf und Hinterlauf.

In der Hoffnung, dass diesmal der gesamte Rindernachwuchs bereits auf der Welt ist, melde ich hiermit ab in den Urlaub!