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Die Reise zum Teufel

Mittwoch, Oktober 3rd, 2007

Die letzten vier Tage war ich auf Einladung der Verlagsgruppe Lübbe zusammen mit Journalisten, einem Fotografen und einem Kamerateam in Prag – eine Pressereise, um mein neues Buch DIE TEUFELSBIBEL vorzustellen und der Ausstellung des Codex gigas im Clementinum (s. unten) einen Besuch abzustatten.

Vorweg – es war wunderschön! Zum einen, weil man selten die Gelegenheit erhält, mit Profis über seine Geschichte zu diskutieren und die eigenen Beweggründe darlegen zu können, warum man sie so geschrieben hat, wie man es getan hat; zum anderen, weil Fotograf und Kamerateam mich vor so aufregende Hintergrundmotive gestellt haben, dass sogar ich halbwegs ansehnlich aussehen dürfte; und nicht zuletzt deshalb, weil ich wieder einmal merken durfte, dass ich bei einem Verlag unter Vertrag bin, dem seine Autoren noch etwas bedeuten.

Ich stieg am Samstag Morgen zusammen mit einer Journalistin der Münchner AZ in einen Flieger nach Prag. Man könnte von meinem Wohnort aus auch mit dem Zug in einer ganz vernünftigen Zeit in die tschechische Hauptstadt gelangen, aber mit dem Flugzeug war es natürlich praktischer, und außerdem gab sich die Airline mit dem blauen Vogel große Mühe, nicht wesentlich schneller zu sein als die Bahn: wir verbrachten nach dem Einsteigen zunächst mal eine dreiviertel Stunde im Flieger vor dem Terminal und warteten auf einen „slot“ für den „take off“.

In Prag gibt es Sammeltaxis, die Pauschalen für die Fahrt vom Flughafen in die Stadt anbieten. Die Pauschalen sind in einem komplizierten mathematischen Näherungsverfahren errechnet worden, für das die Computer der NASA benötigt wurden, was der wahre Grund dafür ist, warum die letzten vier Jahre keine Space Shuttle-Flüge mehr möglich waren. Im Hotel war bereits der Großteil der Gruppe versammelt und rätselte darüber, wer sich in der Nacht mit welchem Italiener das Bett würde teilen müssen. Es hatte sich nämlich herausgestellt, dass vier unserer Zimmer noch für eine weitere Nacht von italienischen Gästen belegt waren. Das heißt, eigentlich waren sie nicht mehr belegt, denn die vier Herren aus dem Land der Zitronen hatten tatsächlich nur bis Samstag gebucht; dann müssen sie aber irgendwas durcheinander gebracht haben, denn das Taxi für die Fahrt zum Flughafen und den Rückflug hatten sie erst für den Sonntag geordert, ihre Sachen waren noch in den Zimmern und die Herren selbst natürlich irgendwo im Großraum Prag unterwegs.

Die nächstliegende Lösungsidee, die das Hotel präsentierte, bestand darin, uns einen günstigeren Zimmerpreis anzubieten, wenn wir uns zu mehreren für eine Nacht in ein Zimmer teilen würden (zwei im Bett, einer in der Badewanne, einer in der Zimmerbar?). Mit dem freundlichsten Lächeln, mit dem jemals die Temperatur der unmittelbaren Umgebung in die Nähe des absoluten Gefrierpunktes gesenkt wurde, lehnte unsere Lübbe-Reiseleiterin den Vorschlag ab. Daraufhin konnte man einer raschen Kalkulation zusehen, die sich auf der Stirn der Hotelmanagerin abzeichnete und deren Ergebnis ungefähr so ausfiel:

Einzelzimmerumsatz x 4 (it.) x 1 Nacht  <   Einzelzimmerumsatz x 14 (Lübbe) x 3 Nächte

– woraufhin man die Sachen unserer Zimmervorgänger höflich in deren Koffer packte und diese vor die Tür stellte.

Zur Ehrenrettung des Hotels möchte ich aber anfügen, dass man die Unseligen nicht auf die Straße setzte – einer von unserer Gruppe bekam am Abend mit, wie sie eines der Konferenzzimmer bezogen, wo man ihnen Betten auf dem Boden aufgebaut hatte.

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