Archive for Dezember, 2007

Die Reise zum Teufel IV

Montag, Dezember 3rd, 2007

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Kleine Impression mit Hilfe der wunderschönen Fotos von Olivier Favre, zusammengestellt von Adobe Photoshop und Herr R.D.

Die Reise zum Teufel III

Montag, Dezember 3rd, 2007

Wir hatten für den Besuch der Teufelsbibel einen Sondertermin vereinbart, an einem Tag, an dem die Ausstellung eigentlich geschlossen ist. Daher waren außer uns nur etwa tausend Leute da, die den Teufel auch besuchen wollten. Unsere Gruppe (ca. 15 Menschen) erhielt nach einiger Diskussion und Identifikationsproblemen Eintrittskarten, die mit unterschiedlichen Zahlencodes bedruckt waren. Obwohl ich mich aufgrund meiner Arbeit am Roman mit dem Thema Code herumgeschlagen hatte, gelang es mir nicht, die Zahlen zu entziffern. Ich z.B. hatte in rot 10.50 aufgedruckt; andere 11.0. Der Ausstellungsleiter kam, drückte mir die Hand und einen Katalog in dieselbe, bevor er mich ebenso wie alle anderen links liegen ließ. Immerhin, freute ich mich, hatte er mir als dem einzigen Romanautor, der sich je mit dem Codex Gigas befasst hat, als Zeichen der Anerkennung den Katalog geschenkt. ´

Seit einiger Zeit habe ich den Verdacht, ich hätte ihn eigentlich bezahlen sollen. Aber dazu ist es nun zu spät. Ich hoffe, bei einer weiteren Einreise in die Tschechische Republik wartet nicht schon Interpol hinter der Grenze auf mich.

Warten taten jedenfalls wir; aus der in fließendem Tschechisch gehaltenen Ansage einer offiziellen Ausstellungsdame hatten entnehmen zu können geglaubt, man würde uns aufrufen, sobald die anderen tausend Leute die Ausstellung verlassen hätte. Tatsächlich kam nach einiger Zeit die besagte Dame und scheuchte uns recht ungehalten in das erste Geschoss des Gebäudes. Wir durften uns vor einer Tür platzieren. Die Tür ging auf. Wir gingen hinein.

Das heißt, wir gingen nicht alle hinein. Genau genommen gingen nur fünf hinein, von denen ich einer war. Was uns verband, war der Zahlencode 10.50. Ein Blick auf die Uhr entschlüsselte den Code: damit war die Uhrzeit gemeint. Aha!

Olivier, der treue Fotograf, versuchte mit mir zusammen in die Ausstellung zu gelangen, um seiner Arbeit nachgehen zu können. Leider besaß er eine Eintrittskarte mit 11.o. Pech gehabt. Außerdem hieß es (entgegen der ursprünglichen Abmachung mit dem Verlag) „No Foto.“ Olivier versuchte seine Karte mit jemanden zu tauschen, der in meiner Gruppe war. Wieder Pech gehabt: „No change.“

Die Teufelsbibel selbst, zu deren Verständnis im Erdgeschoss des Klementinums eine hervorragende Vorbereitungsausstellung mit Vitrinen, Wandbildern, Ausgrabungsfunden und Schautafeln aufgebaut war, lag in einem gläsernen Sarkophag auf dem Boden. Der Ausstellungsraum: 30 qm, kahle Wände, dunkel, ein paar Spots auf dem Glaskasten, die die Fingerabdrücke unserer tausend Vorgänger schön hervorhoben. Der Codex Gigas war auf der Seite mit dem Teufel aufgeschlagen, was naheliegt, aber von gewisser Unspektakularität ist, weil man diese Seite sonst auch immer zu sehen bekommt. Keine Musik, keine Erklärung, kein gar Nichts, es sei denn, man rechnete den höchst finster blickenden Museumswärter, der mit uns im Raum war, zum Gesamtszenario hinzu.

Nach einer Weile versuchte Barbara Fischer, den Raum zu verlassen, um draußen nochmals wegen der Filmaufnahmen zu verhandeln. Sie durfte nicht raus. Die Besuchszeit bei der Teufelsbibel dauert genau 10 Minuten, nicht mehr und schon gar nicht weniger.

Jetzt weiß ich, was die Hölle ist: wenn man Vorschriften unterworfen ist, die eine seit 350 Jahren sehnlichst erwartete Ausstellung, welche es in dieser Form in den nächsten fünfzig Jahren nicht mehr geben wird, in die Nähe einer Farce rücken.

Teufel nochmal!

Die Reise zum Teufel II

Montag, Dezember 3rd, 2007

Natürlich hatte ich während der Pressereise 24 Stunden am Tag was zu tun; und erst recht in der Nacht! Aber an einem Abend wurde der Wille, zu einem schönen Bierchen den Klängen einer Jazzband zu lauschen und vielleicht noch einen schönen ungesunden Mitternachtssnack einzunehmen, stärker als das Pflichtbewußtsein. Wir brachen zu fünft auf: Barbara Fischer, die Reiseleiterin von Lübbe, Peter Hetzel, SAT1-Redakteur, Olivier Favre, Fotograf und mein absolutes Vorbild, wie ich mal in zwanzig Jahren sein möchte, Achim Rogge, Kameramann, und R. D., Autor.

Erster Anlauf: eine angesagte Kneipe im ehemaligen jüdischen Ghetto, deren Adresse Achim in einer Tageszeitung entdeckt hatte. Wir ließen uns von unserem Chauffeur dort absetzen und schickten den guten Mann nach Hause, weil wir ja damit rechneten, im frühen Morgengrauen mit den letzten Gästen vor die Tür gekehrt zu werden und dann schon irgendwie ins Hotel zu finden. Der Eingang zum Jazztempel befand sich im Souterrain und in der Hand eines grimmigen älteren Herrn (der – aber dazu werde ich irgendwann mal später kommen – durchaus mit dem Ausstellungwärter der Teufelsbibel verwandt hätte sein können). Wir vernahmen seine Botschaft: „No Musik.“ Sie wurde lieblich von aus dem Inneren des Lokals dringenden Jazzklängen begleitet. Weitere Kommunikationsversuche verleiteten ihn zu der Aussage, dass das nur noch die Band wäre, die quasi ihre Instrumente zu Ende spiele, ansonsten die Kneipe aber bereits leer sei. Dann trat er beiseite, um einen Schwung junger Damen und die Geräusche eines vollbesetzten Lokals an sich vorbeizulassen. Alle sahen mich vorwurfsvoll an. Ganz klar – ich war schuld. Ich hatte ja auch ein Buch über den Teufel geschrieben.

Nächste Adresse Altstadtring; nach 30 min Fußmarsch, wachsendem Durst und wachsender Bereitschaft bei vier von uns, zur Not auch einer Dixie-Band zuzuhören, einer Verzweiflungsstrategie, der sich nur Peter Hetzel verweigerte, weil er nicht ganz unrichtig bemerkte, Dixie wäre ausschließlich für den Frühschoppen mit Weißbier, Weißwürsten und Brezen erfunden worden (was im Übrigen beweist, dass auch im Kölner ein Bayer steckt). Gegenüber der astronomischen Uhr sichteten wir schließlich ein Lokal, in dem mehrere Herren in schwarz-weiß mit Blechblasinstrumenten und Schlagzeug aktiv waren. Es sah nach Jazz aus. Hören konnte man nichts, weil die Fenster schalldicht waren. Peter war misstrauisch.  Wir beruhigten ihn. Dixie wird von Männern in Strohhüten und breiten Hosenträgern gespielt. Schwarze Anzüge mit weißen Hemden tragen Jazz-Musiker. Peter war weiterhin misstrauisch. Wir fesselten ihn und trugen ihn ins Lokal.

Die Musik war laut.

Es war Dixie.

Das Bier war trotzdem gut. Und Achim bedauert heute noch, die Kamera nicht dabei gehabt zu haben, um Peters eingefrorene Gesichtszüge während der Musikdarbietung zu filmen.

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Trotz Dixie-Musik: Die glorreichen Vier auf dem Rückweg von Dreharbeiten beim Kloster Strahov. Hinter dem Objektiv des Fotoapparats und daher nicht zu sehen: Olivier Favre!

Jahrestreffen

Montag, Dezember 3rd, 2007

Gut, fast alle anderen nennen es „Frankfurter Buchmesse“.  Eine Art Jahrestreffen ist es für die meisten Autoren untereinander und mit ihren Partnern vom Verlag aber dennoch. Nicht alle Schriftsteller leben in direkter Nähe ihres Verlags, obwohl das Vorteile hätte – auch ich nicht. Meine Heimatstadt ist ein ganzes Stück von Bergisch Gladbach entfernt, wo sich der Standort des Lübbe-Verlags befindet. Ich sehe daher die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verlags relativ selten; die Hauptkommunikation findet über e-Mails und Telefonate statt, persönliche Begegnungen gibt es (nur) bei wichtigen Lesungen/Buchpräsentationen, PR-Aktionen und Projektdurchsprachen. Ich freue mich daher bei jeder Buchmesse immer wieder mächtig darauf, mit all den netten Leuten persönlich zu sprechen, mit denen ich sonst nur elektronisch verbunden bin.
Dann gibt es da die Kolleginnen und Kollegen! Wer glaubt, wir Autoren betrachten uns gegenseitig als Konkurrenz und beäugen uns misstrauisch, hat nur zu einem ganz geringen Teil recht. Überwiegend fühlt man sich einander verbunden, möchte über die Projekte der anderen reden und seine eigenen schildern, möchte die offen oder im Subtext geäußerten positiven/negativen Rezensionen seiner eigenen Werke hören und daraus lernen. Da man diese sehr oft liebgewordenen Menschen noch seltener sieht als die Verlagsmitarbeiter, ist man immer sehr gespannt auf sie. Tischrunden höchst normal aussehender Leute, die mit Kaffeetassen bewaffnet die Köpfe zusammenstecken und oft gar nicht so leicht aus ihrem Gespräch zu reißen sind, oder kleine Cluster von sich umarmenden und auf die Schultern klopfenden Damen und Herren sind in der Regel Autoren, die sich lange nicht gesehen haben und sich viel zu erzählen haben …
Weiter geht’s zu den Buchhändlern und professionellen Messebesuchern wie z.B. den Betreibern von Bücherforen (und zu einer Erklärung über die Reihenfolge, die ich hier gewählt habe: es ist die, in der ich diesen Menschen in der Regel über die Messetage hinweg begegne). Auch hier gibt es alte Freund- und neue Bekanntschaften, Gespräche über zukünftige Zusammenarbeit und gemeinsames Erarbeiten von Ideen. In diesem Jahr hatte ich zum Beispiel die Möglichkeit, mit Buchhändlern in Ausbildung eine ganze Stunde zu verbringen und ein höchst interessantes Gespräch über die beiderseitigen Ansichten zum Produkt Buch zu führen.
Und ganz bestimmt nicht zuletzt: die Leser! In diesem Jahr musste ich wegen eines Engagements bereits am Freitag abreisen; sonst versuche ich das Wochenende immer mitzunehmen. Zu meinen schönsten Erlebnissen gehört u.a., dass plötzlich eine große Gruppe Jugendlicher aus meiner Heimatstadt im Lübbe-Stand auftauchte, die als Teilnehmer eines Wettbewerbs eine Reise zur Messe gewonnen hatten und mir die Gelegenheit gaben, eine ganze Menge Autogramme zu unterschreiben.
Und dazwischen gibt es Interviewtermine, Fototermine, unverhoffte Gespräche mit interessierten Lizenzkäufern, Rumalbern und ernsthafte Diskussionen und Besuche bei den Ständen anderer Verlage, die befreundete Autoren unter Vertrag haben und denen man selbstverständlich einen Besuch abstattet. Die eigene Anwesenheit auf der Messe dient aber in großem Maß der marketingtechnischen Unterstützung des Verlags und nicht der eigenen Belustigung, und so bleibt man so lang und so oft wie möglich beim Stand seines Verlags und beschränkt das Schlendern durch die Hallen auf wenige Gelegenheiten (und meldet sich anständigerweise auch immer bei der Standleitung ab).

So hat sich mein Eindruck von der Messe auch im Jahr 2007 bestätigt: es war der einer schönen, ausgewogenen Mischung aus freundschaftlicher Begegnung, kreativer Arbeit und neuen Eindrücken. Ich fühle mich immer sehr, sehr gut und bin sehr gerne dort, sowohl in Frankfurt als auch in Leipzig. Es ist natürlich ein bißchen anstrengend (besonders, wenn man mehrere Tage dort ist, weil das Abendprogramm die Bugwelle nicht schlafend verbrachter Nachtstunden immer weiter ansteigen lässt), und ich empfand es noch nie langweilig.

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Die Bilderleiste zeigt übrigens von links nach rechts: Die Herren Dübell und Eschbach bei der Klärung der Frage, wer welchen Bagel bekommt; Sonja Lechner von der Verlagsgruppe Lübbe, ein ganz bestimmter Autor und seine Frau; Lorenzo de Medici, ein schreibender Kollege und Nachfahre von Lorenzo il Magnifico, erklärt dem Verfasser dieses Blogs, wie man die Frauen verstehen muss. (Bildnachweis: Andreas Biesenbach)