Archive for Februar, 2008

Fachmann mit Ausblick

Sonntag, Februar 3rd, 2008

Meine Lesungen gestalte ich auf Anfrage mit Musik- und Geräuschuntermalung und gern auch im zeitlich passenden, historischen Kostüm. Für mein nächstes Romanprojekt war ich seit einigen Wochen auf der Suche nach einer passenden Kopfbedeckung. Ohne allzuviel verraten zu wollen: die Geschichte spielt zwischen 1612 und 1618. Ich lade Sie herzlich ein, im Internet auf die Suche nach Gemälden aus dieser Zeit zu gehen, die Hüte der Herrschaften anzusehen und sich dann selbst zu fragen, wo man solche Dinger heutzutage herbekommen soll. Und? Sehen Sie …

Das Interesse der meisten Mittelalter-Ausstatter geht mit der Renaissance zu Ende; die frühe Neuzeit hat kaum jemand im Programm. Auch der eine Generation später folgende Barock ist wieder zahlreich bei den Kostümmachern vertreten, und was den Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) betrifft, gibt es viele engagierte Reenactment-Gruppen, die hochwertige Ausrüstungen besitzen und bei denen man sich Rat holen kann. Aber die vertrackten Jahre vor dem Dreißigjährigen Krieg entziehen sich dem verzweifelt Rat- und Hutsuchenden.

Meine Mission, einen zeitlich passenden Hut zu meinem ansonsten fast schon fertiggestellten Kostüm zu finden, führte mich durch halb Europa und sogar bis in die USA. Fand sich endlich einmal ein Anbieter, der sowohl von der Qualität als auch von der Authenzität her meine Ansprüche zu erfüllen schien, waren seine Produkte unerschwinglich. Ich habe sogar – natürlich in der Neuen Welt – die Website eines Ausstatters für historische Kino- und TV-Produktionen gefunden. Junge, hatte er der schöne Sachen; und JungeJunge! (würde Jörg von Ahaus, der depressive Kreuzritter aus IM SCHATTEN DES KLOSTERS, sagen), waren die teuer! Ich verstehe jetzt, warum Hollywoodfilme so viel Geld kosten …

Dann erhielt ich von Peter Bergmann von der historischen Musikgruppe Totus Gaudeo (www.totus-gaudeo.de) den Tipp, Alois Brückls Mittelalterladen in der Burg Trausnitz in Landshut zu besuchen. Für diejenigen, die es nicht wissen: Landshut ist meine Heimatstadt. Ich ging, sah und kaufte – genau den Hut, den ich mir aufgrund meiner Recherchen immer vorgestellt hatte. So kann es gehen – man macht eine Schleife durch die halbe Welt, um dann wieder in seiner Heimatstadt zu landen. Statt stundenlanger Recherche zur Freude vieler Netzbetreiber hätte ich nur einen Spaziergang zur Landshuter Burg zu machen brauchen, die ohnehin einer meiner Lieblingsorte in Landshut ist. Jedenfalls habe ich jetzt meine Ausrüstung komplett, und wenn Sie in der Nähe Landshuts oder direkt dort wohnen, an Geschichte interessiert sind und ein hervorragendes Fachgeschäft in herrlicher Lage besuchen wollen, schauen Sie mal bei www.mittelalter-und-mehr.de im Wittelsbacher Turm der Burg Trausnitz vorbei. Sie finden Alois Brückl, der im Übrigen ein wandelndes Lexikon zum Thema Dreißigjähriger Krieg ist, jeden Samstag zwischen 11.00 Uhr  und 15.00 Uhr dort – und mich garantiert auch des öfteren!