Schreibe Buch, will reisen

Ich habe die Angewohnheit, dass ich an den Orten, an denen meine Geschichten spielen, gerne auch gewesen sein möchte. Anders als bei Karl May reicht meine Vorstellungskraft einfach nicht aus, ganze Welten zu beschreiben nur mit Hilfe einer Landkarte … wie auch immer, zu Beginn meines Lebens als Autor stand die Vor-Ort-Recherche stets am Anfang jedes Buchprojekts. Mit der Zeit stellte ich fest, dass dies nicht ökonomisch war. Zum einen produzierte ich Reisekosten, Hunderte von Fotos und viele Gesprächstermine mit Archivaren und Historikern an Orten, die dann im weiteren Verlauf der Handlung plötzlich nicht mehr vorkamen. Zum anderen war ich natürlich gerade dort nicht gewesen, wo sich auf einmal ein wesentlicher Teil der veränderten Story abspielte. Die Folge: erneute Reisekosten und Zeitverlust.

Heute gehe ich so vor, dass ich mir vorab einen groben topografischen Überblick verschaffe, indem ich das Internet, GoogleEarth und die Auskunftsfreudigkeit der örtlichen Stadtverwaltungen nutze. Damit weiß ich dann wenigstens halbwegs Bescheid, so dass mir keine größeren Schnitzer bei der Landschaftsbeschreibung unterlaufen.

Klammer auf: Wozu sind Landschaftsbeschreibungen nötig, fragen Sie? Retardiert das nicht die Handlung? Richtig – deshalb versuche ich derartige Beschreibungen auch nur dann unterzubringen, wenn sie für die Atmosphäre der Geschichte unbedingt nötig sind. Aaaaber … stellen Sie einfach mal vor, die Heldin verfolgt den Bösewicht von A nach B; da muss man ja wissen, welche natürlichen Hindernisse sich den Charakteren in den Weg legen. Müssen Flüsse überquert werden, gibt es Berge zu erklimmen usw.? Als Autor müssen Sie also über die Landschaft, durch die Sie Ihre Helden jagen, gut Bescheid wissen, selbst wenn Sie sie nicht seitenweise beschreiben. Klammer zu.

Mein neues Buchprojekt führt mich nach Mähren und dabei u.a. an einen Ort, der schon auf den mir zur Verfügung stehenden Fotos so gut aussieht, dass man es kaum glaubt: die Burg Pernstein in der Nähe von Brünn. Ich freue mich darauf, mit dem Leihwagen durch die südtschechische Landschaft zu gondeln und eine halbe Million Fotos zu schießen, und auf meinen Ansprechpartner Lukas Kratochvil in Brünn, den ich von der TEUFELSBIBEL her kenne, freue ich mich auch. Ende April geht es los. Ich werde Sie wie gewohnt auf dem Laufenden halten.

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