Glasknochen

Seit Wochen versuche ich Zeit zu finden, die Einträge in diesem Blog fortzusetzen. Nicht, dass ich nicht plötzlich einen Haufen Zeit hätte. Das liegt zum einen daran, dass das Manuskript für mein neues Buchprojekt DIE WÄCHTER DER TEUFELSBIBEL überarbeitet und abgegeben ist; hauptsächlich aber an dem Umstand, dass ich die Haltbarkeit meiner Knochen etwas überschätzt habe.

Mit anderen Worten: man sollte sich vermutlich nicht in eine Kinderrutsche zwängen, wenn man schon über vierzig ist.

In Österreich in der Nähe von Schärding gibt es eine Attraktion namens Baumkronenweg. Man wandert auf Baumwipfelhöhe eineinhalb Kilometer durch den Wald, auf einer eigens dafür errichteten Brückenkonstruktion, die an der höchstens Stelle 22 m über den Waldboden ragt. Am Ende der Konstruktion kann man entweder die Treppen nach unten nehmen oder die besagte Kinderrutsche.

Die Rutsche sah ziemlich steil aus.

Aber Sohn Nr. 2 wollte unbedingt rutschen, und was tut man nicht alles als Papa, wenn man die Sorge hat, der Filius könnte in der Rutsche steckenbleiben. In meinem Fall war das, was ich tat, hinterher zu rutschen.  Irgendwo zwischen Himmel und Erde touchierte mein rechter Fuß die Wand der Röhrenrutsche, vermutlich in der Rille eines der Röhrensegmente, und das Nächste, das ich wußte, war, dass ich meine Schuhsohle sehen konnte, wenn ich an meinem rechten Bein hinunterspähte. Es tut dem eigenen Ego nicht gut, wenn ein Körperteil an einem dranhängt, als gehöre es jemandem anderen. Ich beendete die Rutscherei eher schockiert, wurde nach einigen schweißtreibenden Minuten von einem Notarzt versorgt, in einen Krankenwagen verpackt und in die Klinik nach Passau eingeliefert. Seitdem ist mein Körper um sieben Schrauben und eine Metallschiene reicher, und unser Haushalt weist zusätzlich zum üblichen Gerümpel zwei Krücken auf, mit deren Hilfe ich derzeit die Welt erkunde.

Sollten Sie demnächst in einem meiner Bücher lesen, wie der Held sich in schier unbeschreiblichen Schmerzen auf dem Boden windet, weil er sich den Haxen gebrochen hat, wissen Sie, dass ich aus eigenem Erleben geschrieben habe.  Ich werde meinen Helden aber zuvor eine richtige Heldentat vollbringen lassen. Glauben Sie mir, wenn man gesteht, dass man in der Kinderrutsche hängengeblieben ist, braucht man nicht nur für den Spott nicht zu sorgen, sondern spottet auch jeder Beschreibung.

In diesem Sinne – Hals- und Beinbruch!

One Response to “Glasknochen”

  1. Gerlinde Hartwein sagt:

    Hallo Herr Dübell,

    danke für die Warnung an meine eigenen Knochen !!
    Wir werden nächste Woche auch mit Nichte/Neffe zu diesem Baumwipfelweg fahren, ich werde also lieber die Treppe nehmen !!!
    Haben Sie sich in Schärding die (nachgebauten) 7 Weltwunder der Antike angesehen?

    Habe dank AMAZON festgestellt, dass Ihr neues Werk im September erscheint.
    Sind Sie schon zu Pustet gehumpelt, um einen Termin zur Buchpräsentation zu vereinbaren? Ich hoffe nicht in der Zeit vom 19.-26.9., denn da möchte ich das Buch im Schatten vom Burj al Arab (Dubai) lesen. Es im Gebäude drinnen zu lesen können wir uns nicht leisten.

    Gute Besserung und liebe Grüße aus Velden
    G.Hartwein

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